Florian Bettel anlässlich Fan-Fiction, Galerie Trapp, 2014

 

Fan-Fiction, die neue Einzelausstellung von Stefan Maria Heizinger, gewährt einen vertiefenden Einblick in das malerische Schaffen des Künstlers als Schnittmenge zwischen Vorbild, Vorstellung und Manipulation. Heizinger eignet sich Bilder an, die er aus den schier unendlichen Weiten des World Wide Web herauslöst. Er verarbeitet die Bilder malerisch und entscheidet nach einem intensiven Schaffensprozess, ob die daraus entstehenden Gemälde Teil seines Werkes werden oder sich weiter verändern sollen. Die faszinierende Arbeitsmethode des Künstlers oszilliert zwischen der technischen Brillanz eines Historienmalers, der sachlichen Ordnung eines Archivars und der manischen Hartnäckigkeit eines Suchenden, der nach neuen Formen und Darstellungsweisen strebt.


Jeder einzelne Werktitel der in der Galerie Trapp gezeigten Arbeiten legt die Quelle offen, von der Heizingers Schaffensprozess ausging. kill_bill_i.jpg, 2001-a-space-odyssey.jpg und 406938_438908389489859_1045035706_n.jpg sind Titel und ursprüngliche Dateinamen zugleich, und so lassen sich die Quellen im Web nach wie vor aufspüren. Zwischen diesen Quellen und den Werken des Künstlers liegen viele Schritte – viele Arbeitsschritte. Spuren dieser Überarbeitungen finden sich in Heizingers Atelier: an Wänden, Spachteln, Sprühflaschen, Pinseln, ein zerstörter Tennisschläger – Schicht um Schicht legen sich die Farbspuren auf die zurückgebliebenen Objekte, die Zeugen des Arbeitsprozesses waren. Die finalen Malereien jedoch erzählen die Geschichten, die Heizinger seinen Quellen hinzufügte.


Heizinger zieht mit dem Titel eine Parallele zu Fankulturen, die sowohl neue Onlinemedien als auch klassische nicht elektronische Techniken einsetzen, um die von ihnen verehrten Werke fortzudenken. In Heizingers Œuvre finden sich die Umdeutungen, die der Künstler und bekennende Malereifan den Vorlagen hinzufügt, in den Schichtungen wieder, die sich auf den Leinwänden materialisieren. Fan-Fiction lädt die Besucher_innen daher zu einer Tiefenbohrung dessen ein, was der Maler seinen Vorbildern aus Hoch-, Sub- und Gegenkultur im Schaffensprozess angedichtet hat.