„The Future is what ever You make it – so make it a good one!“

 

Lucas Cuturi, Kunsthistoriker und freier Kurator

anlässlich der Ausstellung Futur Extrakt, MAERZ, Linz, 2018

 

Zu aller Anfang sollte man wissen, dass für Heizinger aufgrund seines sehr intuitiven Bildfindungsprozess das Spiel mit den unterschiedlichsten Materialen im Vordergrund steht und sich für ihn Inhalte und Bedeutung seiner Werke meist erst während dieses manchmal erst auch zu einem späteren Zeitpunkt manifestieren. Heizinger selbst definiert diesen Prozess für sich mit den Fragestellungen: Wohin will ich? Und: Wohin komme ich? Die Entwicklung geht also Hand in Hand mit dem jeweiligen Entstehungsprozess seiner Werke. Dabei denkt Heizinger stets Arbeit für Arbeit und verfolgt kein einheitliches Gesamtkonzept. 

 

Hierbei wachsen mitunter unterschiedlichste Dinge zusammen, und werden zu einem komplett neuen Teil mit eigenständiger Bedeutung, wie auch in der Arbeit, welche ihm als Einladungssujet für diese Ausstellung diente und die ich daher auch als erstes behandeln möchte. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenführung mehrerer Medien – unter anderem dem der Malerei und jenem der Bildhauerei. Als Ausgangs- und Angelpunkt seiner Überlegungen dienten Heizinger zwei der berühmtesten Vertreter dieser Medien aus dem Barock, nämlich der spanische Maler Diego Velázquez (1599-1660) und der nahezu gleichaltrige nur um ein Jahr ältere italienische Bildhauer Gian Lorenzo Bernini (1598 - 1680).

 

Ausgehend von einer im Internet gefundenen Abbildung von Velazquez´s 1653 geschaffenen Portraits vom spanischen König „Philipp IV“, hat Heizinger diese Vorlage in einem nur wenig kleinerem Format als das Original auf eine Leinwand aufkaschiert. Danach hat er ein Fundstück nämlich einen Styroporkopf einer Schaufensterpuppe im Profil zersägt und auf dieses „Portrait“ aufgeklebt um das ursprünglich zweidimen-sionale Bild in die dritte Dimension überzuführen. Dieser weiße Styroporkopf diente Heizinger aber auch als Verweis auf Berninis Skulpturen, welche dieser stets in weißem Carrara Marmor ausführte. In einem weiteren Schritt berarbeite Heizinger diesen Styroporkopf unter anderem mit Erde und reichlich Farbe, bis er zu dem Ergebnis gelangte, dass sie hier heute sehen können.

 

Man könnte hierbei fast von einem „Epochen-Extrakt“ des Barock sprechen, in Kombination mit der Gegenwart. Denn hier bringt Heizinger nun ein weiteres Medium mit ins Spiel nämlich das omnipräsenteste Medium der Gegenwart schlechthin – das Internet. In Form eines Banners mit den Ausmaßen von 150 x 450cm dient dieses als Hintergrund für das „Velazquez-Bernini Konzentrat“. Das Banner setzt sich aus diversen Bildsymbolen, sogenannten Icons und anderen Motiven aus dem Internet und sozialen Netzwerken unter anderem „facebook“ zusammen. Auch hier einmal mehr ein Verweis auf das Portrait und das Gesicht als wohl wichtigstes repräsentatives Merkmal eines Individuums.

 

Die Arbeit Heizigers kann allerdings durchaus auch als eine Form von Gesellschaftsbzw. Sozialkritik in Bezug auf die gegenwärtig übliche Handhabe gesehen werden, in der das Gesicht zu etwas x-Beliebigen geworden ist. In unserer Gegenwart zählt nämlich nicht mehr das Einzelindividuum an sich, sondern es ist vielmehr die Anzahl der sogenannten Freunde in ihrer Gesamtheit was die Relevanz ausmacht. Diese „Freunde“ ich nenne sie lieber Kontakte sind heutzutage nämlich nicht nur eine einfache Auflistung von Freunden, sondern dienen dem interessierten Nutzer auch als eine Art Information über gesellschaftliche Stellung des jeweils anderen „Users“ in sozialen Netzwerken, wie facebook, linkedin, instagram usw. Es lässt nämlich den Schluss zu: Je mehr „Freunde“ die unterschiedlichen Nutzer haben, umso „wichtiger“ müssen diese vermutlich auch im realen Leben sein – so zumindest lautet die allgemein gängige Konvention.

 

Ein Werk, welches vielleicht eine ähnliche kritische Haltung einnimmt aber dennoch auch durchaus humoristische Ansätze aufweist trägt den Titel „Allegorie“ und lässt meiner Ansicht nach ein weiteres Mal mehr Heizingers Vorliebe für das Barock und seiner Überladenheit erkennen. Bei diesem Kraftobjekt handelt es sich um eine Assemblage bestehend aus einer Kunststoffhantel kombiniert mit PU-Schaum, eingefasst in goldener Farbe. Das Ganze thematisiert sehr treffend den Körperkult in unserer Gesellschaft und lässt Assoziationen sowohl zu muskelbepackten Bodybuildern á la Arnold Schwarzenegger und der vom Gesundheitswähn getriebenen Gesellschaft im Kampf gegen Körperfett zu. Somit wird das Fett zu Gold, um welches sich ein ganzer Industriezweig bemüht, es im wahrsten Sinne abzubauen.

 

Die dritte und in meinen Ausführungen auch die letzte Arbeit mit der ich mich hier auseinandersetzen möchte trägt den Titel Independence (star_trek_csg_014.jpg). In dieser sieht man sämtliche Crewmitglieder der berühmten Sci-Fi Serie Raumschiff Enterprise, welcher hinter einer Art Farbzaun überwiegend in den Primärfarben Rot, Blau und Gelb stehen. Einzig Kapitän Kirk wurde von Heizinger zur Gänze mit gelber Farbe übermalt, da er sonst seiner Ansicht nach, aufgrund seiner Stellung aber auch seines einnehmenden Charakters das Geschehen zu sehr dominieren würde. Seitlich vom Bild hat der Künstler Tafeln in den Grundfarben positioniert um den Bildraum in den Realraum weiterzuführen. Diese von Heizinger als „exportierte Farben des Werkes“ bezeichnet, hat er weiters auch noch durch dreidimensionale kugelförmige Objekte erweitert. Mit Hilfe dieser Objekte schafft Heizinger daher nicht nur eine Referenz auf das Bild selbst, sondern verweist gleichzeitig auch auf Utopien der sechziger Jahre, die sich zum Teil heute schon erfüllt haben.

 

Denkt man z. B. an den Kommunikator, mit welchem Kapitän Kirk und seine Crewmitglieder kommunizierten, dann ist durchaus eine Assoziation zu Mobiltelefon der jüngeren Vergangenheit zulässig. Ganz speziell zu einem der Marke Nokia, welches unter anderem in einem anderen Film des Genres „Sci-Fi“ nämlich im Film THE MATRIX vom Helden „NEO“ zum Einsatz kam. Dieser Umstand stellt daher indirekt auch wieder einen Bezug zum Ausstellungstitel nämlich FUTUR EXTRAKT her, welcher selbst wiederum auch eine Assoziation zu der in der Deutschen Sprache existierenden Zeitform des Futur Exakt herstellt, welche eine bereits vergangene Realität der Zukunft beschreibt. Wie z.B. der Formulierung „In wenigen Augenblicken schon, werde ich meine Ausführungen zu den Arbeiten von Stefan Heizinger beendet haben.“

 

Meine Ansprache möchte ich mit einem Zitat aus einem weiteren Sci-Fi Film nämlich einer Aussage bzw. einer Empfehlung von Doc Brown aus dem Film „Back to the Future“ beenden: „The Future is what ever You make it – so make it a good one!“