Martina Gelsinger, anlässlich Pool, Galerie an der Universität KHG, 2009


Unter dem Titel „Pool“ sind von 3. Juni bis 10. Juli 2009 Arbeiten von Stefan Heizinger in der Reihe „Kunst im Bad“ in der Katholischen Hochschulgemeinde Linz zu sehen. Der etwa 150 m2 große Raum lässt mit den kleinteiligen weißen Fliesen an den Wänden und der Vertiefung im Boden noch eindeutige Merkmale seiner Funktionsgeschichte erkennen.


Hier breitete sich einst dunstige Luft über chlorblauem Wasser aus, versuchten Kinder ihre ersten Tempi, zogen ehrgeizige Schwimmerinnen ihre Bahnen, während der laute Aufprall der Körper im Wasser und die hallenden Schreie der spielenden Kinder die andächtige Schwimmbadstille unterbrachen. Die heutige Galerie in der Katholischen Hochschulgemeinde wurde 1969 als Hallenbad gebaut und war bis 1981 als solches in Verwendung.
„Für mich war ein (Hallen)Bad allgemein immer ein herausragender Ort, weil man selber eher unbedeckt ist, umgekehrt auch anziehend, weil man andere Menschen so erlebt. Der Ort ist ein kaschiertes Hallenbad, verdeckt wie eine Übermalung von Bildteilen, die ich eben nicht so stehen lassen will. Verdecken ist für mich ein spannendes malerisches Mittel. Was möchte ich zeigen, was verdecken? Insofern ist der Ort ein persönlicher Ort.“ (Stefan Heizinger)


Die Bilder von Stefan Heizinger „Jagdgesellschaft_Jachtgesellschaft“, „Riten am Pool“ und „Synchron_Schwimmen“ zeigen bekannte Situationen von Freizeitvergnügungen am Wasser und sind dennoch keine Abbilder der Wirklichkeit. Im Prozess des Malens verschwimmen die fotografischen Bildvorlagen mit der Imagination. Zugleich gehen die Figuren eine Verbindung mit dem Hintergrund ein, verharren in Andeutungen und spielen an das Unterbewusstsein an. Manches scheint wie durch eine Handbewegung weggewischt, bleibt in Farbnebel gehüllt als Geheimnis verborgen oder bis zur Unkenntlichkeit mit kräftigen Pinselstrichen übermalt. Mit seinen Bildern gibt Stefan Heizinger dem Bad sein kühles Nass zurück. Zwar nicht mehr in dem mit Brettern zugedeckten Becken dafür aber an den Wänden: Abstufungen von Blau und Grüntönen bestimmen die Farbigkeit der Bilder. Stefan Heizinger taucht den Hintergrund der großformatigen Acrylbilder in Blau und lässt Himmel, Erde und Ereignisraum ineinander übergehen.


Durch das Andeuten und Verbergen von Personen und Handlungen erzeugt Stefan Heizinger in der Darstellung scheinbar bekannter Motive ein Spannungsmoment. Die BetrachterInnen werden zu ZuschauerInnen einer vertrauten Handlung, die im Verborgenen endet und dem Blick entzogen wird. Dabei verdeckt Stefan Heizinger nichts offensichtlich Provokantes oder gar Unanständiges, sondern verweigert sich, den BetrachterInnen scheinbar allzu Bekanntes als Abbild der Wirklichkeit zu zeigen. In Zeitungsbildern werden Gesichter gerastert, um auf diese Weise die Anonymität der Personen zu gewährleisten. Stefan Heizinger gibt den in seinen Bildern handelnden Personen und ihren Gesichtszügen keine relevante Bedeutung, er anonymisiert sie und macht sie damit zu Stellvertretern für Handlungen, Gesellschaftsbilder und Rollenklischees. Bei den Gesichtern der für das Foto posierenden illustren Jachtgesellschaft mutiert so manches breite Grinsen zu einem fratzenähnlichen Tiergesicht: Tatsächlich blicken neben schönen, fröhlich und am Wasser rundum glücklich wirkenden Menschen auch Affen und Schweine aus dem Bild. Eine lustige Gesellschaft -  Hauptsache gut getroffen. Da bleibt weiterhin noch viel Spaß im kühlen Nass zu wünschen!