Tania Hölzl anlässlich En Face, kunstraum pro arte, 2009


Den zentralen konzeptuellen Ausgangspunkt sowohl für Elisabeth Schmirls wie für Stefan Heizingers malerische und installative Arbeiten bildet der globale Bilderpool des World Wide Webs. Die aufgefundenen Bildmotive berichten von Selbstinszenierungen, von Kontaktsuche und Katastrophen, von Geschlechterpolitiken, von Pornografie, von Freizeitvergnügen und der Disziplinierung im Sport, von Museumsbesuchern und Momenten in der U-Bahn. Durch Übertragung dieser Sujets in das Medium der Malerei erkunden die beiden Künstler die kommunikativen und emotionalen Mechanismen dieser Bilder, die mehr oder weniger offensichtlichen Selbstentwürfe und Sehnsüchte, die Wünsche und Träume, aber auch die teils brutalen Machtphantasien und Verletzungen, die man hinter diesen visuellen Oberflächen vermuten darf. So changieren Schmirls meist weibliche Porträts zwischen kontrollierter Selbstinszenierung mit Appellcharakter und unbeabsichtigter Selbstentblößung. Heizinger wiederum bezieht sich auf brisante Motive, aber auch Stereotypen oder Ikonen des kollektiven Gedächtnisses, die häufig Formen von Gewalt bergen.


Die Ausstellung präsentiert die 2008/09 entstandenen Serien “Squares” und “Männergesellschaften”. Der Titel en face bezieht sich in mehrfachem Sinn auf die Arbeiten. Auf einer (vordergründigen) Ebene verweist er auf die formale Darstellungsweise der frontal wiedergegebenen Bildnisse, ikonografisch oft imperial oder für kriminalistische Phantombilder verwendet. Alltagssprachlich stellt sich bei en face jedoch die Vorstellung von »ungeschminkt«, »unmittelbar« oder »direkt ins Gesicht« ein. Dieses Bedeutungsbündel spielt auf markante Merkmale der Gemälde an: einmal auf das Unverblümte, das Schonungslos-Konfrontative in der Malerei Heizingers, einmal auf die offensiven Blickpraktiken, über welche die von Schmirl porträtierten Frauen Kontakt suchen oder herstellen. Überdies bringt die Ausstellung eine Gegenüberstellung (en face) zweier künstlerischer Positionen, deren Austausch in der gemeinsam erarbeiteten Installation thematisch wird.